Der Kommissar schaut auf die Uhr. Viertel nach acht. Er ist noch gar nicht müde. Da kommt aber seine Frau rein, und er muss ins Bett. Sie ist sehr streng. Er wehrt sich nicht, als sie ihm das Nachthemd aus dem Schrank holt und es fein säuberlich gefaltet auf das Kopfkissen legt. Wenn er es angezogen hat, bekommt er plötzlich einen unwahrscheinlichen Gedanken: Was ist, wenn der unbekannte Frauenmörder gar kein Mann, sondern eine Frau ist? Diesmal schläft er nicht gemeinsam mit seiner Frau im Schlafzimmer, sondern steht die ganze Nacht mit großen Augen hinter dem Schrank und passt auf, dass seine Frau schläft. Am frühen Morgen bricht er zusammen.
Er muss zum Arzt. Im Vorzimmer wird er mit den Worten empfangen: „Herr Kommissar, haben Sie den Krankenschein mit?“
Sofort reißt der Kommissar seinen Mantel auf, holt einen Krankenschein raus, knüllt ihn zusammen und frisst ihn auf. Er gebärdet sich wirklich wie eine freigelassen Wildsau. Die Krankenarztassistentin ist sprachlos, doch zieht der Kommissar noch einen Krankenschein aus der Tasche und füllt ihn aus. Nein, er hat ihn sogar schon ausgefüllt, das andere vorher war ein Bluff. Jetzt versteht die Frau. Der Kommissar ist immer lustig manchmal. Viele verstehen das nicht; auch wenn der Kommissar schnell Auto fährt, will er nur belustigen. Alle sollen schmunzeln, wenn er da ist. Dadurch bringt er ein bißchen Lockerheit in unsere fade Welt. Schon viele Danksagungen von Verbänden und anderen Vereinen sind zu ihm gekommen, auch das Ehrenmitglied in einer tollen Vereinigung ist er, nämlich Karnevalsclub.
Es versteht sich von selbst, dass Kommissar Schneider, wenn hohe Leute kommen aus der Politik oder so, auch Reden hält. Sie werden von jemand anders geschrieben, er weiß gar nicht, was er da sagt. Man kann ihm wirklich nichts verübeln. Er ist ein guter Mensch, der auch hervorragend aussieht und auf Frauen wirkt. „Haben Sie nicht Lust, in die Politik zu gehen?“ hat mal jemand zu ihm sogar gesagt.
Stolz sitzt er vor dem Arzt. Der Arzt selber ist gar nicht da, er ist ins Nebenzimmer gegangen, um Medikamente zu holen, er kommt zurück.
„Herr Kommissar, hier, dieses Medikament kann Lähmungserscheinungen hervorrufen und auch zum Tode führen, verwenden Sie es nicht für sich selbst. Es ist sehr gefährlich. Aber ich bin sicher, dass die Warze am Fuß auch so weggeht, man muss nur lange warten, dass jemand sie abschneidet. Oft passiert das aus Versehen, z.b. bei einem Autounfall, wenn Glassplitter in den Schuh eindringen. Und nun zu Ihrer Frage. Sie fragten, ob eine Frau stark genug wäre, eine andere Frau abzumurksen, und zwar ohne fremde Hilfe. Herr Kommissar, das ist nicht möglich. Es sein denn, die Frau ist in Rage, das heißt, jemand hat sie wütend gemacht. Dann ist es allerdings möglich, dass so ein aufgebrachtes Monstrum Bärenkräfte erlangt, die sie zu einem wahren Herkules werden lässt. Aber dann Gnade vor Recht, Herr Kommissar. Und nichts für ungut.“
Der Kommissar bezahlt und geht.
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